Aktuelles

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Aus aktuellem Anlass möchten wir auf unsere Pressemitteilung vom 25.05.2020 hinweisen, die wir als Arbeitsgemeinschaft Münster der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) e.V. gemeinsam mit dem Jungen Forum der DIG Münster sowie der Jüdischen Gemeinde Münster verfasst haben:

Antisemitismus bei Corona-Demonstrationen in Münster

Mit dem Coronavirus verbreitet sich auch das Virus des Antisemitismus in unserem Land und sorgt für ein Klima von Hass und Hetze gegen Juden und den Staat Israel. Die Coronakrise führt in diesen Tagen nicht nur zu erheblichen gesundheitlichen, gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen, sondern auch zu einer gefährlichen Ausbreitung antisemitischer Hassbotschaften und Verschwörungsthesen.

Auch im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen die Corona-Regeln in Münster ist es zu antisemitischen Vorfällen gekommen. Es zeigt sich, wie in anderen Städten, dass Antisemitismus in Münster eine Konstante dieser Demonstrationen und der Milieus, die sie tragen, ist.

Björn Wegner, einer der leitenden Organisatoren der Münsteraner Kundgebungen, bezeichnete Israel auf der Demonstration am 16.05.2020 öffentlich als "rassistischen Apartheidstaat", was eine antisemitische Dämonisierung Israels darstellt. Anlass dafür war das Zeigen der israelischen Fahne, des Symbols des jüdischen Staates, unter den Gegendemonstranten, die damit auf die antisemitischen Implikationen der Verschwörungsthesen der Demo- Organisatoren hinweisen wollten. (Siehe hierzu unsere Richtigstellung vom 16.06.2020)

Ein anderer Redner und Organisator, Felix Beuse, verglich in seiner Rede am 16.05.2020 die aktuelle Lage mit 1933 und relativierte damit die Verbrechen des Nationalsozialismus. Er stellte die Machtergreifung der Nationalsozialisten als bloße Verführung der Deutschen durch Hitler dar und klammerte den Antisemitismus und das völkische Denken sowie die Verbrechen der Deutschen völlig aus. Dies sind klassisch geschichts-revisionistische Muster, die zu einer Schuldabwehr beitragen und den Opfermythos unschuldiger Deutscher befeuern.

Beuse verbreitet auf YouTube die Verschwörungsthese, nach der Bill Gates durch die Corona-Pandemie einen Plan durchführe, um die Menschheit in "Abhängigkeit" zu zwingen. Nicht nur die Struktur dieser Erzählung, sondern auch die explizite Wortwahl sind antisemitisch konnotiert: Im antisemitischen Wahnbild wollen Juden die Weltherrschaft dadurch erlangen, dass sie Menschen in Abhängigkeitsverhältnisse zwingen (Figur der "Zinsknechtschaft"). Schon der "Glaube, dass hinter unverstandenen abstrakten Prozessen eine konkrete Macht stehe, ist strukturell und historisch antisemitisch", stellt der Antisemitismusforscher Samuel Salzborn im Zusammenhang mit den Corona-Demonstrationen fest.1 Stefanie Schüler-Springorum, die Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin, erkennt: "Wenn das [antisemitische] Narrativ einmal steht, ist es egal, ob Bill Gates Jude ist oder nicht, in den Augen der Verschwörungsfachleute ist er das sowieso" und erklärt damit, warum auch das von Beuse formulierte absolute Feindbild Bill Gates antisemitisch ist.2

Sich des eigenen Antisemitismus mehr oder weniger bewusst und daher den öffentlichen Einspruch gegen ihren Antisemitismus schon vorausahnend, wurde im Telegram-Chat des Organisatorenkreises der Münsteraner Demonstrationen darüber diskutiert, ob man Menschen jüdischen Glaubens als Kronzeugen gewinnen könne. Solle das nicht gelingen, wurde vorgeschlagen, dass sich eine
an der Demonstration teilnehmende Person als orthodoxer Jude verkleiden könne. Dies ist eine übliche Strategie von Antisemiten, mit der diese sich vor dem „Antisemitismus-Vorwurf“ schützen wollen.

In der selben Telegram-Gruppe wurde ein Bild mit einem an den "Judenstern" von 1941 erinnernden "Ungeimpft"-Stern und ein an den Schriftzug "Arbeit macht frei", der unter anderem über dem Eingang des Stammlagers Auschwitz angebracht war, angelehntes Bild des Schriftzuges "Impfen macht frei" gepostet. Diese eindeutig antisemitischen Beiträge in der Telegram-Gruppe stießen auf keine Gegenrede der anderen Gruppenmitglieder.

Wir rufen die Münsteraner Zivilgesellschaft sowie die Stadt dazu auf, entschlossen gegen diese antisemitischen Vorfälle bei den Corona-
Demonstrationen Stellung zu beziehen und nicht zuzulassen, dass Hass und Hetze gegen Juden und Israel weiter zunehmen. Es liegt an uns allen, wachsam gegenüber antisemitischer Corona-Hetze zu sein und den Antisemitismus im Zusammenhang mit den Corona-Demonstrationen auch in Münster öffentlich zu thematisieren. Nur gemeinsam können wir neben dem Virus auch die Ausbreitung des Antisemitismus eindämmen und zurückdrängen.

1 Salzborn, Samuel: "Fantasien einer gegen 'das deutsche Volk' gerichteten 'Weltverschwörung'", In: DIE WELT am 16.05.2020. Online: https://www.welt.de/politik/deutschland/plus208034401/Corona-Demos-Fantasien-einer-gegen-das-deutsche-Volkgerichteten-Weltverschwoerung.html.

2 Schüler-Springorum, Stefanie: Warum Verschwörung? Warum die Juden? In: DER SPIEGEL am 17.04.2020. Online: https://www.spiegel.de/kultur/corona-leugnung-und-antisemitismuswarum-verschwoerung-warum-die-juden-a-46d89ede-6bc3-43f0-9b53-5064992ad416.

Die Westfälischen Nachrichten haben unsere Pressemitteilung in folgendem Artikel zugrunde gelegt: https://www.wn.de/Muenster/4208139-Kritik-der-Deutsch-Israelischen-Gesellschaft-Antisemitische-Aeusserungen-bei-Corona-Demos

HINWEIS:

Bezüglich obiger Pressemitteilung haben wir wegen eines Zitierfehlers eine Richtigstellung vorgenommen, die Sie hier nachlesen können.


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Aktueller Hinweis


Aufgrund der Corona-bedingten Maßnahmen und Einschränkungen können wir unsere Veranstaltungen aktuell leider nicht in der gewohnten Form stattfinden lassen. So musste leider auch unsere für den 17. Mai geplante Veranstaltung zum Israeltag ausfallen, die wir traditionell als Konzertveranstaltung gestalten.

Mit dem "Yom Ha'atzmaut" feiert Israel seine Staatsgründung im Jahr 1948. Nach dem Gregorianischen Kalender wird am 14. Mai an die Unabhängigkeitserklärung Israels erinnert, nach dem Jüdischen Kalender begann der Feiertag am Abend des 28. April und endete am Abend des 29. April 2020.

Auf der Internetseite der Jüdischen Gemeinde in Münster finden Sie eine Grußbotschaft anlässlich dieses besonderen Tags, zu dem wir herzlich grautlieren!

Informationen zu früheren Veranstaltungen finden Sie in unserem Veranstaltungsarchiv.


 
 

Informationen des Präsidiums